Holiday voraus!

Das Meer oder die Berge? Es soll schon Paare gegeben haben, die sich wegen dieser Frage getrennt haben - zumindest für den . Als ich am Wochenende unseren Sommerurlaub klar gemacht habe, fiel mir wieder einmal einer der großen Vorteile des Single-Papa-Daseins ins Auge.

Nicht, dass Teenager nicht auf “Mitbestimmung” pochen würden, wenn es um die Wahl des Urlaubsortes geht. Aber die Stimme des zahlenden Vaters hat doch eindeutig mehr Gewicht als die des quengelnden Teenagers. Und so werden wir die Berge im Sommer links und rechts liegen lassen, unseren Audi bis an die Küste Sloweniens quälen, und erst 200 Meter vor dem Meer stoppen. Den Rest gehen wir dann zu Fuß.

Zugegeben, die Buchung haben wir den häufigen, aber dezenten Hinweisen meiner Tochter zu verdanken, mich doch zwischendurch endlich einmal um den zu kümmern. Und ein paar Zugeständnisse musste ich natürlich auch machen: Die Ferienwohnung hat einen WLAN-Internetzugang, und der Strand ist - im Gegensatz zu unserem letzten - ein Sand- und kein Kiesstrand. Wie sich die Auftragslage bis zum Sommer entwickelt, ist dann ausschlaggebend dafür, wie oft wir im essen gehen und ob wir vielleicht für ein paar Stunden oder Tage ein Boot chartern.

Das war früher anders: Es gab ein primäres Urlaubsziel, dessen mindestens jährlichen Besuch ich meiner Ex schon vor der Hochzeit versprochen hatte, und sekundäre Urlaubsziele, falls genug Geld für einen Zweit- und (ganz selten) Dritt- zur Verfügung stand. Im Klartext “die Berge” sicher, “das Meer” vielleicht. Das änderte sich kurz nach der Trennung in ein “Weder noch”. Zwar brachte meine Ex-Schwägerin die Kinder einmal im Jahr zwei Wochen bei sich unter (wofür ich ihr ewig dankbar sein werde), aber für mehr fehlte schlicht das Geld, zumal ich einige Monate psychisch kaum in der Lage gewesen war, meine Arbeit zu machen, und danach (im Jahr 2003) insbesondere die Medienbranche von einer heftigen Kriste geschüttelt wurde.

Trotz der ins Haus stehenden nächsten Wirtschaftskrise (je nachdem, wen man fragt, die schlimmste seit a) Beginn der Industrialisierung, b) Menschengedenken, c) der Entstehung des Universums) hat sich seither vieles zum Besseren gewandelt: Die Zwillinge haben den Führerschein, sodass wir uns beim Lenken abwechseln können, wir finden bis jetzt immer einen gemeinsamen Nenner für unser Urlaubsziel (so hat die Nähe zu salzigem Wasser beispielsweise die uneingeschränkte Zustimmung aller Beteiligten), und inzwischen kann ich - auch dank des Unterhalts, den meine Ex für die Kinder zahlt - Ausgaben und Einnahmen zumindest weitgehend in Deckung bringen. Und noch ein Vorteil: Die “Kinder”, die es übrigens gar nicht lieben, als solche bezeichnet zu werden, sorgen selbst für ihr Entertainment am Urlaubsort.

Das ansonsten höllische Teenager-Alter bringt dem Alleinerzieher in Sachen sogar noch ein Stück mehr Freiheit: In den letzten zwei Jahren konnte ich jeweils eine Woche Segel- ganz ohne meine Kids verbringen, und war dabei nicht auf das Entgegenkommen meiner Ex oder die Unterstützung meiner Eltern angewiesen - auch ein gutes Gefühl.

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Über den Autor
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Dirk Bongardt ist alleinerziehender Vater im siebten Jahr. Seine Kinder sind - zumindest, wenn es nach ihnen selbst geht - keine mehr: Die beiden Zwillinge werden in diesem Jahr 20, Sohn Nummer Drei immerhin 18, und das Töchterchen 16 Jahre alt. Der Journalist ist in Väterkreisen durch sein Buch "Senza Una Donna - das Survival-Handbuch für allein erziehende Väter" bekannt.


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