Wenn ich gefragt werde, was das Wichtigste in einer nachpartnerschaftlichen Beziehung ist, bin ich in den letzten Monaten versucht, das Wort Vertrauen ins Spiel zu bringen. Aber ist das überhaupt möglich, wo doch gerade in der Trennungsphaseso viel davon zu Bruch gegangen ist?
Wir reden umgangssprachlich von dem kommunikativen und emotionalen Zustand “Vertrauen” wie von einem Gegenstand. Man kann es finden - wie ein Fünfmarkstück - und auch wieder verlieren. Wie den einen schwarzen Socken, der immer wieder nach dem Waschen verloren bleibt. Da kann man grundsätzlich also nix dazu tun, um aktiv etwas daran zu ändern (einzige Ausnahme ist meine Tochter Rieke, die in letzter Zeit häufiger etwas “extra für den Papa findet”)…
Aber das trifft es ja nicht wirklich. Vertrauen kann und muss man aktiv fördern - sonst verliert es sich irgendwann vielleicht wirklich ohne unser Zutun. Ich habe privat wie auch im beruflichen Leben in den letzten zwei Jahren sehr häufig die Erfahrung gemacht, dass Grundvoraussetzung für vertraulichen Umgang erstmal Kommunikation ist. Ohne das Austauschen von Informationen, und viel wichtiger: Emotionen, lässt sich dieser Zustand (oder besser Prozess, denn Vertrauen ist immer eine dynamische Größe) niicht ändern.. Und um ihn wachsen zu lassen, gehört noch mehr dazu als bloßes Reden, es gehört auch eine andere moralische Größe dazu: Verantwortungsgefühl.
Im krassesten Fall verliere ich das in mich gesetzte Vertrauen dadurch, dass ich mich nicht daran halte, was ich versprochen habe. Ganz einfach. “Rieke, wir fahren in den Zoo.” - und dann zwei Stunden später die gegenteilige Aussage, dass etwas anderes dazwischen gekommen ist. Rieke ist enttäuscht, hat Ärger im Bauch und verschliesst sich jeglicher Diskussion über die Gründe des ausgefallenen Zoobesuchs. Der Erfolg bleibt nicht aus - das Vertrauen zwischen uns ist momentan stark belastet, auf der emotionalen Ebene sind negative Gefühle im Spiel. Um das wieder auszubügeln, bedarf es langer Gespräche und keine weiteren Enttäuschungen. So leicht wie man Vertrauen nun also verliert (besser vielleicht: vergibt, denn es war ja ein aktiver Vertrauensbruch durch die Entscheidung, dass einmal gegebene Versprechen zu widerrufen), ist es aber nicht wieder aufzubauen.
Nachhaltiges, anhaltendes Brechen von Vertrauen führt zu einem anhaltenden Verlust, der dann mangels Kommunikationsfähigkeit auf beiden Seiten (Schuldgefühl vs. Ärger) nur sehr schwer zu durchbrechen ist, da die Basis der Prozessbildung gestört ist.
Fazit: Kommunikation ist das Werkzeug um den Prozess “Vertrauen” anzuschubsen und zu beeinflussen. Um Wachstum zu erzeugen, bedarf es Verantwortungsgefühl, die verbale und nonverbale Kommunikation sicherzustellen. Auch wenn es einmal schwerfällt. Ist es unmöglich, ein Versprechen hundertprozentig zu garantieren, sollte man darauf verzichten, es auszusprechen. Besser ist hier das Aufzeigen von Möglichkeiten (”Es kann sein, dass wir nachher in den Zoo gehen, wenn…”).




























