Plagt Sie ein Übermaß an Zeit und quält Sie der Mangel an Beschäftigung? Dann spricht vieles dafür, dass Sie kein alleinerziehender Vater sind. Wer beruflich ebenso wie privat Verantwortung trägt und Job, Haushalt, Finanzen und Erziehung ganz überwiegend allein managen muss, dürfte wohl eher Schwierigkeiten haben, all seine Aufgaben in die verfügbare Zeit zu quetschen. Dem einen oder anderen könnte ein gut organisiertes Zeit- und Selbstmanagement dabei eine große Hilfe sein.
Im Rahmen eines größeren Auftrags habe ich in den letzten Wochen eine Selbstmanagement-Methode wiederentdeckt, die ich dank eigener mangelhafter Umsetzung vor ein paar Jahren als ungeeignet verworfen hatte: GTD (Getting Things Done), entwickelt von dem britischen Berater und Coach David Allen. Mein damaliger Fehler: Ich hatte versucht, nur meine beruflichen Aufgaben mit der Methode zu managen, und meine Privatsachen ohne besondere Technik zu erledigen. Wer GTD aber nur für einen Teil seiner Aufgaben einsetzt, verspürt kaum einen Vorteil, sondern nimmt die Technik lediglich aus aufwändige Zettelwirtschaft wahr.
GTD ist ausdrücklich dazu gedacht, den Kopf frei zu bekommen, und jede Idee, jedes Vorhaben, jede Verpflichtung und jede Aufgabe in ein sinnvolles, verlässliches System außerhalb des Kopfes zu verlagern. Dafür gibt es etliche Computerprogramme, aber wer ein Problem damit hat, Computer als “verlässliche Systeme” zu betrachten, kann sein GTD-System genau so gut auf Papier umsetzen. Ist dem Kopf einmal klar, dass er sich auf dieses System verlassen kann, hört er auf, einen ständig in den unpassendsten Momenten an noch ausstehende Vorhaben, Verpflichtungen und ähnliches zu erinnern, der Stresslevel sinkt spürbar und so manche Einschlafstörung verschwindet dauerhaft.
Die folgenden fünf Punkte beschreiben das grundlegende Vorgehen bei der Umsetzung dieses Selbstmanagement-Systems:
- Mindsweep: Notieren Sie auf einer Liste alles, wirklich alles, was Ihnen im Kopf herumgeht, was Sie noch zu erledigen haben, immer schon einmal tun wollten, was Ihnen den Schlaf raubt oder Sorgen bereitet.
- Durcharbeiten: Nehmen Sie sich jeden Punkt auf der Liste vor, und entscheiden Sie jeweils, ob Sie konkret etwas tun können. Falls ja, schreiben Sie den “nächsten Schritt” auf eine Liste. Erfordert einer der Punkte mehr als einen Handlungsschritt, schreiben Sie ihn auf eine “Projekte”-Liste und notieren Sie zusätzlich den ersten Handlungsschritt auf der Liste der nächsten Schritte.
- Organisieren: Teilen Sie Ihre “nächsten Schritte” in kontext-abhängige Listen auf: Dinge, die Sie unterwegs erledigen müssen, schreiben Sie auf eine Liste “@unterwegs”, zu erledigende Anrufe auf “@Telefon”, Aufgaben, für die Sie Ihren Computer benötigen, auf “@Computer” und so weiter. Nur Aufgaben, die zu einem ganz konkreten Termin zu erledigen sind, schreiben Sie in Ihren Terminkalender.
- Kontrollieren: Regelmäßig, am besten einmal pro Woche, machen Sie reinen Tisch: Streichen Sie erledigte nächste Schritte von den Listen, prüfen Sie, ob sich seit dem letzten Mindsweep neue Dinge Ihre Aufmerksamkeit beanspruchen, und nehmen sie diese in Ihre Projekte- und nächste-Schritte-Listen auf, bringen Sie Ihre Ablage in Ordnung und optimieren Sie Ihre Umsetzung des GTD-Systems nach Ihren persönlichen Vorlieben.
- Tun: “Getting Things DONE” heißt die Selbstmanagement-Methode, die selbstredend nur dann nützlich ist, wenn Sie sich an die Arbeit machen. In jedem “Kontext” sehen Sie auf die zugehörige Liste und erledigen dann die Aufgaben, die in diesem Kontext erledigt werden können. Bevor Sie zum Telefonhörer greifen, sehen Sie auf “@Telefon”, wenn Sie ins Auto steigen, auf “@unterwegs” und so weiter.
Zugegeben, das hört sich nach viel Arbeit an, und tatsächlich ist es zunächst auch ein zusätzlicher Aufwand. Aber mir persönlich hat diese Methode geholfen, mit wesentlich weniger Stress sehr viel mehr zu erreichen als zuvor.
Zur Methode gehört nebenbei auch eine Liste, auf der delegierte Aufgaben notiert werden: Die “Warten-Auf”-Liste. Diese Liste nutze ich, um den Überblick über Dinge zu behalten, die meine Kinder zu erledigen haben, sie daran zu erinnern, und sie bei Bedarf zu unterstützen. Dabei kann es sich um mitzubringende Schulbescheinigungen handeln, zu schreibende Facharbeiten und Referate, für die nächste Zeit abgesprochene Arbeiten im Haushalt, Antworten auf die Briefe des Kreiswehrersatzamts respektive des Bundesamts für den Zivildienst, ausstehende Bewerbungen und zu vereinbarende Vorstellungsgespräche - und was sonst noch so anfällt.
“Getting Things Done” hat freilich durchaus Kritiker: Größter Schwachpunkt aus meiner Sicht ist die Schwierigkeit, mit dieser Methode seine mittel- und langfristigen Lebensziele zu verfolgen. Der geistige Vater des Systems, David Allen, gibt auch dazu Empfehlungen, die allerdings bei weitem nicht so leicht zu konkretisieren sind, wie die Verwaltung der aus einzelnen Handlungen bestehenden “nächsten Schritte”. Davon abgesehen, kann ich die Alltagstauglichkeit des Systems aus eigener Erfahrung voll und ganz bestätigen.




























super vielen dank. ich bin jetzt zwar kein vater, allerdings ist die gtd methode für mich sehr hilfreich.