Irgendwann musste es ja mal passieren…

ich bin heute um fünf vom Dienst gekommen und hab mich schon an der Tür über die seltsame Stimmung gewundert… war ganz wortkarg, wollte nicht “Guten Tag” sagen,…

Omi forderte sie dann auf, “es dem Papa selbst zu sagen!” - Was denn? Nach einigem Rumdrucksen rückte sie dann mit der Sprache raus: hat heute im Kindergarten etwas mausen wollen. Sie hat Legosteine in ihre Tasche gesteckt und wurde prompt erwischt. Wat machste nun mit so einem reuigen, Strafe erwartenden Purzel?

Ich habe ihr erklärt, dass man nix einfach so einstecken darf, was einem nicht gehört. Was würde sie wohl dazu sagen, wenn einem anderen der gefällt und es diesen einsteckt? Und Strafe muss natürlich auch sein - also ist der für heute eigentlich eingeplante Omitag ersatzlos gestrichen worden. Die Tränchen waren dann doch nicht überzeugungsfähig genug…

, dass sie diese Lektion schon im Alter von viereinhalb lernt. Die Konsequenzen des eigenen Handelns wollen immer bedacht sein - und bei so plakativen und empfindlichen Konsequenzen wie dem gestrichenen Omitag hoffe ich, dass es ihr eine Lehre ist.

Ich selber erinnere mich, dass meine erste Begegnung mit diesem Thema wesentlich später und inkonsequenter war. Im Alter von zwölf Jahren (also kurz nach der Wende, im in der Nähe von Potsda) habe ich mit einem Freund eine Werbefahne von Suzuki als Piratenbeute während eines Plünderungszuges auf der Havel erbeutet. Leider hat der Besitzer uns dabei auf die Finger geschaut - wir ihn aber nicht wahrgenommen. Wir waren noch nicht mal richtig im Bungalow angekommen, als der Opa meines Freundes auftauchte, hinter sich meine - und uns beiden eine Standpauke über Sinn und Unsinn von Material- und Kapitalumverteilung im Kapitalismus hielt. Diese wurde durch eine schallende Ohrfeige für uns beide noch intensiver memoriert - und mit den Worten unterlegt: “Und die habt ihr euch nicht gefangen, weil ihr geklaut habt - sondern weil ihr so doof wart und habt euch dabei erwischen lassen!”

Damals vollkommen nachvollziehbar, heute in meinen Augen etwas fragwürdig. Ich bin sehr stolz auf mich, dass ich in einer ruhigen Art ein offensichtlich trotzdem erinnerungsträchtiges Fanal gesetzt habe. Und wird demnächst zweimal Nachdenken, bevor sie einer spontanen Eingebung zur Umverteilung fremden Privateigentums nachgibt.

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Über den Autor
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Alexander Baumbach ist seit Mitte 2007 alleinerziehender Vater einer kleinen Tochter. Neben dieser abendfüllenden Aufgabe ist er voll berufstätig im öffentlichen Dienst und programmiert in seiner Freizeit Webseiten und Weblogs für den Eigenbedarf, fotografiert und hört leidenschaftlich gern Klaviermusik - hin und wieder an der eigenen Tastatur.


2 Kommentare

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  1. naja legosteine, das ist ja nicht weiters schlimm, sicher nur ein reflex der nicht überzubewerten ist.

  2. Hmm, für mich auf alle Fälle ein guter Anlass, über Privateigentum zu monologisieren. Das war im Übrigen einer der Punkte, den ich ihr näher gebracht habe - es ist egal, ob das “Diebesgut” groß, klein, teuer oder wertlos ist. Man nimmt nichts einfach an sich…

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